Zum Hauptinhalt springen

Nachruf auf Prof. Dr.-Ing. Reinhard Döpp

Die Gießerfamilie in Deutschland und Europa trauert um Prof. Dr.-Ing. Reinhard Döpp, der am 7. Juni 2026 im Alter von 92 Jahren verstorben ist.

Mit ihm verliert die Gießereibranche eine Persönlichkeit, die Wissenschaft, Industrie, Lehre und ehrenamtliches Engagement in außergewöhnlicher Weise miteinander verbunden hat. Über Jahrzehnte hinweg hat Reinhard Döpp die Entwicklung der Gießereitechnik geprägt, Generationen von Fachleuten begleitet und sich mit großer Leidenschaft für die Bewahrung der Geschichte des Gießereiwesens eingesetzt. Nach seinem Studium der Gießereikunde an der RWTH Aachen begann er 1959 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Aachener Gießerei-Institut bei Prof. Dr.-Ing. Walter Patterson. Bereits in jungen Jahren wurde seine wissenschaftliche Arbeit mit dem Eugen-Piwowarsky-Preis des Vereins Deutscher Giessereifachleute e.V. (VDG) ausgezeichnet. 1964 wechselte Reinhard Döpp in die Industrie und wurde Gießereileiter sowie Mitinhaber der Firma Friedrich Ischebeck in Ennepetal. Dort verband er wissenschaftliche Erkenntnisse mit unternehmerischer Praxis und entwickelte sich zu einer angesehenen Persönlichkeit der deutschen Gießereiindustrie.

Von 1983 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 lehrte und forschte Prof. Döpp an der Technischen Universität Clausthal am Institut für Eisenhüttenkunde und Gießereiwesen. Als Professor für Metallurgische Grundlagen der Gießereitechnik begeisterte er Generationen von Studierenden für die Werkstoff- und Formstofftechnik und vermittelte ihnen mit großer Leidenschaft und fachlicher Tiefe die Grundlagen ihres späteren beruflichen Wirkens. Insbesondere auf dem Gebiet der anorganischen Bindersysteme zählte er zu den Vordenkern seines Fachs, indem er deren Potenzial für eine umweltverträgliche und nachhaltige Gießereitechnik bereits zu einem Zeitpunkt erkannte, als deren heutige Bedeutung noch längst nicht allgemein absehbar war. 

Ein besonderes Anliegen war ihm darüber hinaus die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Als Gründer des Vereins von Freunden und Förderern der Gießereitechnik an der Technischen Universität Clausthal e. V. schuf er eine bis heute tragfähige Grundlage für die fachliche und finanzielle Unterstützung der Studierenden. Durch das Engagement des Vereins konnten zahlreiche Aktivitäten ermöglicht werden, die weit über die reguläre universitäre Ausbildung hinausgehen und den Studierenden zusätzliche fachliche, persönliche und praxisnahe Erfahrungen eröffnen. Sein Blick richtete sich dabei stets über die reine Technik hinaus. Reinhard Döpp war überzeugt, dass Fortschritt nur dort verstanden werden kann, wo auch die Wurzeln einer Branche bewahrt werden. Dieses Verständnis prägte sein langjähriges Engagement für die Industriekultur. In seiner Heimatstadt Ennepetal gehörte er zu den Initiatoren des Förderkreises Industriekultur und war treibende Kraft hinter der Entstehung des Industrie-Museums Ennepetal. Mit großem persönlichem Einsatz sorgte er dafür, dass ein bedeutendes Stück regionaler Industriegeschichte erhalten blieb und für kommende Generationen zugänglich gemacht wurde. Noch im vergangenen Jahr wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Förderkreises ernannt.

Für seine Verdienste um das Gemeinwohl erhielt Prof. Döpp 2013 das Bundesverdienstkreuz. Im Jahr 2019 wurde ihm mit der Georg Agricola-Denkmünze die höchste Auszeichnung der Gesellschaft der Metallurgen und Bergleute verliehen.

Wer Prof. Döpp begegnete, erinnert sich nicht nur an sein herausragendes Fachwissen, sondern auch an seine offene, zugewandte und menschliche Art. Viele Fachkollegen, Weggefährten und ehemalige Studierende schätzten ihn als Mentor, Gesprächspartner und Freund. Sein Interesse an den Menschen war ebenso groß wie seine Leidenschaft für die Gießereitechnik. Mit Prof. Dr.-Ing. Reinhard Döpp verliert die Gießereigemeinschaft einen Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Wissenschaft und Praxis sowie zwischen den Generationen.

Das Institut für Metallurgie an der TU Clausthal wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm verbunden waren.

Zurück