Institut für Metallurgie > Abteilungen > Gießereitechnik [Tonn] > Aktuelles > Archiv > 25.08.2018: Große gießereitechnische Exkursion nach Großbritannien vom 20. bis 25. August 2018

Große gießereitechnische Exkursion nach Großbritannien vom 20. bis 25. August 2018

Dieses Jahr ging es für die große gießereitechnische Exkursion nach Sheffield in Großbritannien. Mit dabei waren eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und fünf Studierende, welche an dieser Stelle dem Verein der Freunde und Förderer der Gießereitechnik e.V. sowie der Technischen Universität Clausthal für die finanzielle Unterstützung und der World Foundry Organization für die organisatorische Unterstützung danken möchten.

Am Montag starteten die Sechs um 4.30 Uhr am Institut für Metallurgie in Richtung Hamburg, von wo aus der Flieger nach Manchester ging. Nach der Landung wurde der Leihwagen vor Ort beladen und es ging in das Abenteuer Linksverkehr, welches unsere „Mutti“ hervorragend bewältigte. Die erste Besichtigung stand direkt an, sodass wir vom Flughafen nach Todmorden zu Weir Minerals gefahren sind. Weir Minerals ist ein wichtiger Lieferant für Maschinen und Anlagen für die Bergbauindustrie. An dem Standort, den wir besuchten, werden in erster Linie Pumpen für den russischen und den kanadischen Markt hergestellt. Das beeindruckendste Produkt, das wir sahen, war eine Pumpe aus hochchromhaltigem Gusseisen mit einem Durchmesser von ca. 4,4 m für den Transport von Ölsanden. Für kleine Gussteile wird bei Weir Minerals das RepliCast-Verfahren angewandt, einem Lostfoam-Verfahren. Nach der spannenden Besichtigung ging es in einen typisch britischen Pub, um sich mit traditionellem englischem Essen anzufreunden. Direkt danach ging es nach Sheffield in unsere Unterkunft, das Wilson Carlile Centre.

Am Dienstag fuhren wir nach einem gemeinsamen Frühstück in unserer Ferienwohnung zur ersten Besichtigung des Tages bei William Cook in Sheffield. An diesem Tag begleitete uns Andrew Turner von der World Foundry Organization bei den Führungen. Als Stahlhersteller beginnend umfasst die Produktpalette heute – 135 Jahre nach Unternehmensgründung – ein breites Spektrum an Eisen- und Stahlgusssorten. Von wenigen Gramm bis zu mehreren Tonnen schweren Strukturbauteilen oder Pumpengehäusen beherrscht William Cook diverse Form- und Gießverfahren, welche wir am heutigen Tag kennenlernen durften. Zu den Formverfahren zählen unter anderem das Wachsausschmelzverfahren, bei dem die Stahlgussteile nachher über beeindruckende Oberflächenqualitäten verfügen, sowie der klassische Sandguss mit furan-harzgebundenem Formstoff für größere Gussteile um die 8 Tonnen.

Nach dem Mittagessen ging es für uns zur größten Gießerei dieser Exkursion, Sheffield Forgemasters International, welche zu den größten drei oder vier Gießereien weltweit gehört. Kleinere Stahlgussteile wiegen hier um die 20 Tonnen, die größten 350 Tonnen – wobei das Gießgewicht 600 Tonnen beträgt und die Erstarrung mehrere Wochen dauert. Der Drehstrom-Lichtbogenofen verfügt über eine Kapazität von 110 Tonnen und für den Abguss muss für den Transport der flüssigen Schmelze vom Schmelzbetrieb zur Gießhalle eine viel befahrene Straße gesperrt werden. Sheffield Forgemasters International beeindruckte uns sehr mit seinen Dimensionen!

Am dritten Tag besuchten wir morgens Casting International Technology im Advanced Manufacturing Research Centre in Sheffield. Im Gegensatz zur Mengenproduktion des industriellen Wettbewerbs, beschäftigt man sich bei CTI mit den Prozessgrenzen für Eisen-, Stahl-, Aluminium- und Titan-Gusswerkstoffen. Im Speziellen steht der Leichtbau für die Luft- und Raumfahrt im Fokus und so wurde vor kurzem ein Titanschmelzaggregat mit einer Tonne Fassungsvermögen in Betrieb genommen. Darüber hinaus kann sich CTI zu den Vorreitern beim Arbeitsschutz zählen, denn die körperliche Beanspruchung der Mitarbeiter wird regelmäßig gemessen und beurteilt. So werden beispielsweise in der Putzerei Armbanduhren getragen, die die auftretenden Vibrationen messen. Wird ein bestimmter Grenzwert überschritten, muss der Mitarbeiter eine Pause machen. Das CTI zeigte sich bei unserer Führung als modernes, technologisch führendes Unternehmen mit Vorbildfunktion.

Nachmittags nutzten wir die uns zur Verfügung stehende Zeit und gingen im nahe gelegenen Peak District National Park wandern. Unsere Wanderung startete in Edale und führte uns in einem 7,5 km langen Rundkurs auf insgesamt 470 Höhenmeter auf die Gipfel angrenzender Bergketten. Von dort aus war ein beeindruckender Ausblick zu genießen und gleichzeitig der herannahende Regen zu erkennen. Doch als Clausthaler hat uns der englische Nieselregen nicht davon abgehalten den Rundkurs zu Ende zu bringen.

Am Donnerstagvormittag besuchten wir das Magna Science Adventure Centre, ein stillgelegtes Stahlwerk, welches Interessierten in fünf Themengebieten die Wissenschaft der Metallurgie näherbringt. Anschließend besuchten wir die Gießerei William Lee in Dronfield, wo Andrew uns wieder begleitete. Wm Lee ist eine über 100 Jahre alte Kundengießerei, welche hauptsächlich für die Automobilindustrie produziert. Darüber hinaus wird auch für den allgemeinen Maschinenbau und die Eisenbahnindustrie gegossen. Mit den über 400 Mitarbeitern wird eine jährliche Kapazität von 45.000 Tonnen erreicht, sodass im Schnitt 600 Tonnen fertige Teile pro Woche die Gießerei verlassen. Die Gussteile können von 100 g bis 45 kg schwer sein. Hier bekommen wir auch eine Disamatic zu sehen, die bis zu 400 Formen pro Stunde produzieren kann. Zum Abschluss des Tages testeten wir das kulinarische Angebot an mehreren Stellen in Sheffield.

Am Freitagmorgen musste die Unterkunft verlassen und das Auto gepackt werden, denn nach der Besichtigung bei Pandrol Fastening Systems in Worskop sind wir weiter nach Manchester gefahren. Pandrol ist ein internationales Unternehmen, welches sich auf Schienenbefestigungen und deren automatisierte Montage spezialisiert hat. Mit Werken in 12 Ländern und 240 verkauften Schienenbefestigungssystemen in 91 Ländern ist Pandrol, besonders auf qualitativer Ebene, Marktführer. Dabei umfasst die Produktpalette im Werk in Worksop hauptsächlich Clipping Systeme, welche zur Befestigung von Schienen und Beton­verankerungen dienen und dabei Vibrationen und Verformungen der Schiene abfedern. Eingesetzt werden die Produkte für Schienensysteme, die jeweils an die nationalen Anforderungen des Abnehmerlandes angepasst werden müssen. Als Beispiele sind U-Bahnen in europäischen Großstädten, Schwertransportstrecken in Kanada oder Russland und Schnellzugstrecken in Asien zu nennen.

Nach der Unternehmensbesichtigung in Manchester angekommen, nutzte ein Teil der Gruppe die Chance um die Innenstadt zu besichtigen, bevor es dann am Samstag um 5 Uhr zum Flughafen ging. Mit Umstieg in Düsseldorf und Stau auf dem Rückweg von Hamburg nach Clausthal waren dann alle heil aber müde um 18 Uhr wieder zurück.

 

Kontakt  Suche  Sitemap  Datenschutz  Impressum
© TU Clausthal 2019